Douglas A. Irwin: Peddling Protectionism: Smoot-Hawley and the great Depression, Princeton University Press, S. 256, 2011
In der jüngsten Geschichte ist Argentinien das beste Beispiel für erneut wiederaufgebaute Handelsbarrieren. So war kürzlich zu lesen, dass deutsche Unternehmen dazu gezwungen sind, entweder ihre Produktion nach Argentinien zu verlagern oder bizarr anmutende Geschäfte abzuschließen, um aus argentinischer Sicht, die heimische Wirtschaft anzukurbeln. Genannt werden Soja (BMW), Wein (Porsche) und Möbel (Adidas). Im Gegenzug für den Kauf argentinischer Produkte, können diese Firmen ihre Produkte exportieren. Irwin untersucht das in den USA bekannteste Beispiel von Protektionismus mit seinem Buch - er nimmt sich die Schutzzölle von 1930 vor und untersucht deren Auswirkungen auf die Große Depression in den USA. Noch heute gelten Smoot-Hawley als Schreckensgespenst und werden oftmals als Mit- sogar Hauptverantwortlich für die Große Depression bezeichnet. Diesem geht Irwin auf die Spur und versucht die damalige Gesetzgebung und deren Konsequenzen aufzuarbeiten. Der Leser wird durch vier Kapitel geführt, die ihn mit der Entstehungsgeschichte des Gesetzes, den ökonomischen Auswirkungen, den ausländischen Gegenmaßnahmen sowie den Folgen vertraut machen. Gerade in einer globalisierten Welt wird schnell das Mittel des Protektionismus mittels Schutzzöllen von Regierungen als Wirtschaftsinstrument ausgepackt. Deshalb leistet das Buch "Peddling Protectionismus" wichtige Aufklärungsarbeit. In einer angenehmen und sehr lesenswerten Schreibweise beleuchtet Irwin die Umstände, unter denen es zur Verabschiedung des "Smoot-Hawley-Act" kam. Ökonomisch ging es den USA 1929 sehr gut - kaum mehr als 3% Arbeitslosigkeit, die Importe machten nur 3% der gesamten Wirtschaftsleistung aus und der Industrie ging es gut. Dennoch kam es zu einer Änderung der Zollpolitik. Im Vordergrund der protektionistischen Gedanken im Kongress stand aber nicht die Industrie, sondern die Landwirtschaft, die mit über 25% Anteil an den Beschäftigten eine große Rolle in der Politik und in den Wahlkreisen der Kongressmitglieder spielten. Obwohl auch hier die Exportquote gering war und nur einige größeren Erzeugern in Genuss von Vorteilen durch derlei Maßnahmen kommen konnten, setzten sich Änderungen im Tarifwerk durch. Dabei geschah dies nicht auf Druck von Lobbygruppen, denn die Industrie hatte kein Interesse an höheren Zöllen, da es ihnen gut ging, sondern um der Forderung der Bauern nach Subventionen zu entkommen. Subventionen wollten die Republikaner durch Anhebung von Zöllen ersetzen - was ihnen nach langen und zähen Verhandlungen im Kongress auch gelang. Dennoch hatte die Einführung negative Folgen für die amerikanische Wirtschaft. Nicht so sehr die Höhe der Zölle, die für sich genommen realtiv gering waren, aber zu bestehenden Zöllen hinzuaddiert wurden, sondern die Auswirkungen auf den internationalen Märkten, sollten der amerikansichen Wirtschaft und Politik später zu schaffen machen. Durch die Einführung wurden Nachbarn und Verbündete der USA vor den Kopf gestoßen, darunter Kanada und Kuba. Aber auch in Europa gab es eine Gegenbewegung, welche dazu führte, dass die Länder ebenfalls mit Handelsbarrieren konterten. Die amerikanische Wirtschaft, zumindest der Teil, welcher vom Export abhängig war, bekam die Folgen mit einem deutlichen Rückgang zu spüren. Außerdem kam es zu einer politischen Entfremdung zwischen den USA und Cuba, die zumindest vor dem Weltkrieg als einer der wesentlichen Verbündeten der USA zählten. Durch eine Melange der verschiedensten Ereignisse vom Börsencrash bis hin zur Geldpolitik und der einsetzenden Großen Depression war der Smoot-Hawley Act ein Baustein in dem Gesamtgeflecht, der zum wirtschaftlichen Abschwung der USA beigetragen hat. Irwin schildert in seinem Buch sehr gut die Hintergründe ohne zu übertreiben oder einseitige Faktoren für die Große Depression auszumachen bzw. die Rolle des Smoot-Hawly Act überzubewerten. Ihm ist eine gute Analyse und rückblickende Betrachtung von der Entstehung bis zu den Folgen gelungen. Sehr lesenswert!